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Forschung in der AG Schneider

Die Arbeitsgruppe Schneider erforscht die bakterielle Zellhülle als zentrale funktionelle Schnittstelle essentieller bakterieller Zellprozesse und als einen der vielversprechendsten Angriffspunkte für neue Antibiotika. Ziel unserer Forschung ist es, die molekularen Prinzipien der Zellhüllenbiosynthese, ihrer Organisation und Regulation zu verstehen und dieses Wissen für die Entwicklung neuer therapeutischer Konzepte gegen multiresistente bakterielle Erreger nutzbar zu machen.
AG Schneider
© UKB/Rolf Müller

Publikationen


Aktuelles

Bahnbrechende Forschung zu neuem Antibiotikum ausgezeichnet
Prof. Tanja Schneider, Leiterin des Instituts für Pharmazeutische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Bonn (UKB), wurde mit dem mit 10.000 Euro dotierten PHOENIX Pharmazie Wissenschaftspreis ausgezeichnet. Der Preis, der als eine der renommiertesten Auszeichnungen in der pharmazeutischen Forschung gilt, wird jährlich in vier Kategorien an herausragende Projekte vergeben. Prof. Schneider, die auch an der Universität Bonn forscht, erhielt die Ehrung in der Kategorie „Pharmazeutische Biologie“ für ihre wegweisende Forschung zur Wirkweise des neuartigen Antibiotikums Clovibactin.
Wirkweise von Clovibactin
Immer mehr bakterielle Krankheitserreger entwickeln Resistenzen. Die Gefahr nimmt zu, dass gängige Medikamente nicht mehr gegen Infektionskrankheiten wirken. Weltweit sucht die Wissenschaft deshalb nach neuen Wirkstoffen. Forschende der Universität Bonn und des UKB, des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF), der Universität Utrecht (Niederlande), der Northeastern University in Boston (USA) und der Firma NovoBiotic Pharmaceuticals in Cambridge (USA) haben nun gemeinsam ein neues Antibiotikum entdeckt und seine Wirkweise aufgeklärt. Clovibactin stammt von einem Bodenbakterium. Dieses Antibiotikum attackiert hochwirksam die Zellwand von Bakterien, einschließlich zahlreicher multiresistenter „Krankenhauskeime“. Die Ergebnisse sind nun im renommierten Journal „Cell“ veröffentlicht.
Neue Gruppe von antibakteriellen Molekülen entdeckt
Forscher des Karolinska Instituts, der Universität Umeå und der Universität Bonn haben eine Gruppe von Molekülen identifiziert, die eine antibakterielle Wirkung gegen viele antibiotika-resistente Bakterien haben. Da die Eigenschaften dieser kleinen Moleküle leicht chemisch verändert werden können, besteht die Hoffnung, neue, wirksame Antibiotika mit geringen Nebenwirkungen zu entwickeln. Die Ergebnisse sind nun im Journal PNAS veröffentlicht.

Forschungsschwerpunkte

Mechanistische Antibiotikaforschung und bakterielle Zellhülle

Antimikrobielle Resistenzen gehören zu den größten Herausforderungen der modernen Medizin und erfordern innovative Strategien für die Entwicklung neuer antiinfektiver Therapien. Die Arbeitsgruppe Schneider erforscht die bakterielle Zellhülle als zentrale funktionelle Schnittstelle essentieller bakterieller Zellprozesse und als einen der vielversprechendsten Angriffspunkte für neue Antibiotika. Ziel unserer Forschung ist es, die molekularen Prinzipien der Zellhüllenbiosynthese, ihrer Organisation und Regulation zu verstehen und dieses Wissen für die Entwicklung neuer therapeutischer Konzepte gegen multiresistente bakterielle Erreger nutzbar zu machen.

Ein Schwerpunkt unserer Arbeiten liegt auf der Entdeckung und mechanistischen Charakterisierung antibakterieller Wirkstoffe. Dabei dienen insbesondere Naturstoffe als wertvolle Quelle neuer chemischer Strukturen und bislang unbekannter Wirkmechanismen. Wir identifizieren molekulare Angriffspunkte antibakterieller Substanzen, entschlüsseln die Mechanismen ihrer Wirkung sowie bakterieller Resistenz- und Toleranzentwicklungen und untersuchen bislang unbekannte funktionelle Schwachstellen der bakteriellen Zellhülle. Über die Untersuchung einzelner Zielstrukturen hinaus erforschen wir, wie essentielle Biosynthesewege der Zellhülle miteinander vernetzt sind und in die komplexen regulatorischen Netzwerke der Bakterienzelle eingebunden werden.

Ein besonderes Merkmal unserer Arbeitsgruppe ist die Entwicklung einer integrierten Mode-of-Action- und Target-Deconvolution-Plattform zur Aufklärung molekularer Wirkmechanismen antibakterieller Substanzen. Hierzu kombinieren wir phänotypische Ganzzellverfahren mit genetischen, biochemischen und biophysikalischen Methoden. Die Plattform vereint bakterielle Reportersysteme, Resistenzgenetik, biochemische Targetvalidierung, Ligandenbindungsanalysen sowie die funktionelle Charakterisierung essentieller Zellhüllensynthesewege. Dadurch schlagen wir die Brücke zwischen phänotypischer Wirkstoffentdeckung, molekularer Targetidentifizierung und mechanistischer Validierung und schaffen eine leistungsfähige Grundlage für die Antibiotikaforschung sowie für zahlreiche nationale und internationale Kooperationen.

Unsere Forschung verbindet grundlegende Erkenntnisse der bakteriellen Zellbiologie mit translationaler Antibiotikaforschung und schafft damit die mechanistische Grundlage für die rationale Entwicklung zukünftiger antiinfektiver Therapien.

Forschungsschwerpunkte
• Molekulare Wirkmechanismen von Antibiotika und antibakteriellen Naturstoffen
• Mode-of-Action-Profiling und Target Deconvolution antibakterieller Wirkstoffe
• Identifizierung, Validierung und mechanistische Charakterisierung neuer antibakterieller Zielstrukturen
• Mechanismen der Antibiotikaresistenz, Toleranz und bakteriellen Stressantworten
• Entwicklung integrierter phänotypischer, biochemischer und biophysikalischer Screening- und Charakterisierungsplattformen
• Biosynthese, Regulation und funktionelle Organisation der bakteriellen Zellhülle
• Peptidoglykan-, Wandteichonsäure-, Kapsel- und Lipidträgerstoffwechsel
• Zellhüllenbiologie grampositiver Krankheitserreger mit besonderem Fokus auf Staphylococcus aureus
•Translation mechanistischer Erkenntnisse in innovative antiinfektive Therapiestrategien

Tanja Schneider

Tanja Schneider promovierte nach dem Studium der Biologie mit Schwerpunkt Mikrobiologie an der Universität Bonn im Jahr 2004. Es folgte eine Postdoc-Ausbildung am Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie des Universitätsklinikums Bonn. Von 2011 bis 2012 war sie im Rahmen eines Marie Curie Actions Fellowships in der industriellen Forschung tätig und arbeitete in der Abteilung Peptide and Cell Discovery bei Novozymes A/S in Dänemark. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland übernahm sie die Leitung einer Nachwuchsgruppe im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). Im Jahr 2014 habilitierte sie sich im Fach Medizinisch-Pharmazeutische Mikrobiologie, bevor sie 2015 auf die Professur für Pharmazeutische Mikrobiologie an der Universität Bonn berufen wurde.

Publikationen (PubMed)
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/myncbi/1fS34TStI5P5t/bibliography/51897948/public/?sort=date&direction=ascending

ResearchGate
https://www.researchgate.net/profile/Tanja_Schneider4

 

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