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Forschung in der AG Müller
Betreuung von Laborblockpraktika, Vergabe von Bachelor- und Masterarbeiten
Aktuelles
Bakterielle Zellhüllbiosynthese
Die bakterielle Zellhülle ist eine lebenswichtige Struktur, die Bakterien Form, Stabilität und Schutz vor äußeren Einflüssen verleiht. Ihre Biosynthese umfasst den Aufbau der Zellmembran, des Peptidoglykans, sowie weiterer Oberflächenpolymere wie Teichonsäuren, Kapseln oder Polysaccharide. Diese Prozesse müssen präzise koordiniert werden, damit Bakterien wachsen, sich teilen und auf Umweltstress oder Antibiotika reagieren können.
Besonders die Zellwandbiosynthese ist ein zentraler Angriffspunkt vieler Antibiotika und bietet großes Potenzial für die Entwicklung neuer antiinfektiver Wirkstoffe. In unserer Forschung untersuchen wir die molekularen Mechanismen, die Aufbau, Umbau und Regulation der bakteriellen Zellhülle steuern. Ziel ist es, neue Schwachstellen bakterieller Pathogene zu identifizieren und damit zur Entwicklung innovativer Therapiestrategien gegen resistente Infektionserreger beizutragen. Darüber hinaus untersuchen wir Anpassungsprozesse in resistenten Bakterien, die zur Ausprägung von Resistenzmechanismen beitragen, um die zugrunde liegenden zellulären Zusammenhänge besser zu verstehen.
Bakterielle Proteinkinasen: Schlüsselproteine für Adaptation, Virulenz und neue Therapieoptionen
Bakterielle Proteinkinasen sind zentrale Regulatoren, die durch gezielte Phosphorylierung die Aktivität von Zielproteinen modulieren und dadurch wie molekulare Schalter wirken. Sie ermöglichen Bakterien Umweltveränderungen schnell zu erkennen und darauf zu reagieren.
Auf diese Weise steuern sie zahlreiche zelluläre Prozesse und spielen insbesondere bei der Pathogenität und Virulenz bakterieller Erreger eine entscheidende Rolle. Sie tragen dazu bei, Immunabwehrmechanismen zu umgehen, Antibiotikaresistenzen zu fördern und chronische Infektionen zu etablieren.
Aufgrund ihrer Bedeutung für Biofilmbildung, Stressadaptation und bakterielle Kommunikation gelten bakterielle Proteinkinasen als vielversprechende Angriffspunkte für neue antimikrobielle Therapien. Besonders sogenannte Pathoblocker, die gezielt in krankheitsrelevante Prozesse eingreifen, ohne das bakterielle Wachstum direkt zu hemmen, eröffnen neue Perspektiven für die Behandlung bakterieller Infektionen.
Design und Synthese vereinfachter Polyketid-Antibiotika als verbesserte antibakterielle Wirkstoffe
Naturstoffe sind eine zentrale Inspirationsquelle für die Entwicklung neuer Arzneistoffe: Schätzungen zufolge basieren mehr als 60 % der in den letzten zwei Jahrzehnten eingeführten Wirkstoffe direkt oder indirekt auf Naturstoffen. Viele strukturell komplexe Naturstoffe wurden jedoch bisher nur begrenzt als pharmazeutische Leitstrukturen untersucht, da sie häufig schwer zugänglich sind und nicht den klassischen Kriterien der „Rule of Five“ entsprechen. Im Rahmen des DFG-Graduiertenkollegs GRK2873 „Tools and Drugs of the Future – Innovative Methods and New Modalities in Medicinal Chemistry“ ist die Arbeitsgruppe an einem interdisziplinären Forschungsprojekt zur Untersuchung neuartiger Polyketid-Antibiotika beteiligt. In enger Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dirk Menche analysieren wir das Potenzial dieser Naturstoffe als Grundlage für neue antimikrobielle Wirkprinzipien.
Die Arbeitsgruppe Menche synthetisiert dafür ausgewählte Fragmente und vereinfachte Analoga ausgewählter Polyketide. Unsere Arbeitsgruppe untersucht diese Verbindungen anschließend hinsichtlich ihrer antimikrobiellen Aktivität und ihres Wirkprofils gegenüber bakteriellen Pathogenen. Ziel des gemeinsamen Projekts ist es, strukturelle Merkmale zu identifizieren, die für die antibakterielle Wirkung entscheidend sind, und damit zur Entwicklung neuer antiinfektiver Substanzen beizutragen.
AG Leitung
Dr. rer. nat. Anna Müller
R 1.002
Meckenheimer Allee 168
53115 Bonn
Doktorand:innen
Aia Ali Abdelrahman